Do

04

Dez

2008

Lufthansa – Austrian: Letzte Versuche den Deal zu verhindern

Lauda will wie Ryanair gegen Hilfe für die AUA mobilmachen:

 

EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani wartet weiter auf Informationen aus Österreich über den geplanten Schuldenerlass bzw. die Kapitalspritze in Höhe von 500 Mio. Euro für die AUA.

"Wir haben offiziell noch kein Dossier eröffnet. Die EU-Kommission kann nicht aufgrund von Pressemeldungen tätig werden", sagte Tajani am Donnerstag in Brüssel. Die EU-Kommission habe sich an Österreich gewandt, um zu sehen, was vor sich gehe.


Ein Kommissionssprecher sagte, es habe einige informelle Kontakte zwischen den österreichischen Behörden und der Kommission gegeben. Nach wie vor gebe es aber keine offizielle Anmeldung der geplanten Staatshilfe bei der Kommission.


Der Aufsichtsrat der deutschen Lufthansa hatte am Mittwoch grünes Licht für den Einstieg bei der AUA gegeben. Staatliche Hilfen für Fluglinien müssen in der Regel in Brüssel gemeldet werden, um sicherzugehen, dass sie mit den EU-Beihilferegeln vereinbar sind. Andernfalls müssen sie später zurückgezahlt werden.

 

Ryanair-Aufforderung an Kommission
Die irische Billigairline Ryanair hatte die EU-Kommission aufgefordert, die Übernahme von AUA-Schulden durch den österreichischen Staat beim Verkauf der Fluglinie zu verbieten.

Ryanair sähe damit europäisches Beihilferecht verletzt. Kein privater Investor würde, so Ryanair, 500 Mio. Euro zahlen, um sich von einer Beteiligung an einem "praktisch bankrotten Unternehmen" zu trennen.

 

Lauda: Brutale Wettbewerbsverzerrung
Niki Lauda will den staatlichen Zuschuss für die AUA ebenfalls nicht kampflos hinnehmen und spricht im Magazin "Format" von "brutaler Wettbewerbsverzerrung". Lauda will mit der neuen Regierungsspitze über eine friedliche Lösung sprechen. Er habe einen baldigen Termin, so Lauda.


Lauda wolle im Gegenzug für die staatliche AUA-Hilfe für seine Fluglinie Flyniki zumindest zusätzliche Verkehrsrechte für Ziele außerhalb der EU, so der "Format"-Bericht.

"Ich will zweimal täglich nach Moskau, Kiew oder Belgrad fliegen dürfen, nicht nur einmal." Sollte es keine gütliche Lösung in Österreich geben, will Lauda in Brüssel aktiv werden. "Derweil kann ich mich zurücklehnen, weil sowieso schon andere Airlines gegen den AUA-Deal mobilmachen."


Lauda rechnet damit, dass "von der EU hundertprozentig was kommt, zumindest Auflagen: zum Beispiel, dass die AUA fünf Jahre nicht wachsen darf, ihre Flotte verkleinern muss oder die Verkehrsrechte liberalisiert werden".

Lauda kritisierte auch die angekündigten 475 Millionen Euro AUA-Verlust scharf: "Die haben auf dubiose Weise alles hineingepackt, um ein negatives Eigenkapital darstellen zu können - damit die EU den Zuschuss als Restrukturierungsbeihilfe akzeptiert. Aber das Eigenkapital ist noch immer mit 130 Millionen positiv."

 

 

AUA-Betriebsrat will Zusicherungen:


Der Betriebsrat der kaufmännischen und technischen Angestellten der Austrian Airlines (AUA) hat ein Forderungspapier verfasst. Dies erging an Finanzminister Josef Pröll (ÖVP), ÖIAG-Chef Peter Michaelis und AUA-Chef Alfred Ötsch.


Mit dem Papier fordert der AUA-Betriebsrat, beim anstehenden Verkauf an die Lufthansa die Eigenständigkeit der AUA sowie die Drehscheibenfunktion von Wien zu sichern.

Alle Flüge der Lufthansa, die österreichische Flughäfen mit Destinationen außerhalb Österreichs, Deutschlands und der Schweiz verbinden, müssten ausschließlich mit Betriebsmitteln und Personal der Austrian durchgeführt werden, verlangt der Betriebsbrat.

Die Austrian solle zum kommerziellen Lufthansa-Kompetenzzentrum für Südosteuropa, GUS, Zentralasien sowie den Nahen und Mittleren Osten werden. Für "bestimmte Ausnahmefälle" solle ein Rückkaufrecht für die Republik gesichert werden. Zudem heißt es in dem Schreiben, dass der "Vermögensvorteil", der sich aus einer Übernahme von 500 Mio. Euro Schulden durch die Republik ergebe, in der AUA verbleiben müsse. Die ÖGB-Teilgewerkschaft GPA-djp stellte sich hinter den Brief. "AUA darf nicht ausgehöhlt werden"
"Dass man mir verspricht, dass alles so bleibt, wie es momentan ist, halte ich für das Gefährlichste", sagte AUA-Betriebsrat Junghans. Die AUA müsse als Ganzes erhalten und dürfe nicht ausgehöhlt werden.

Erste Gespräche mit Lufthansa-Chef Mayrhuber hätten einen positiven Eindruck vermittelt, auch wenn es keine Zusagen gegeben habe. "Lufthansa hat die AUA sicherlich nicht gekauft, um sie zu eliminieren", sagte Junghans. Er sei zwar immer noch gegen eine Komplettübernahme, "aber das wird nicht mehr zu verhindern sein". Analysten erwarten Job-Abbau
Auf die AUA dürften mit der Übernahme durch die deutsche Lufthansa nach Ansicht von Analysten größere Einschnitte zukommen. Neben einer weiteren Ausdünnung des Langstreckennetzes erwarten Experten bei der tief in die Verlustzone gerutschten Fluggesellschaft auch Kündigungen von Mitarbeitern.

"Man wird eine marode Fluglinie nicht so lassen, wie sie ist", sagte ein Wiener Analyst. "Dass die Lufthansa das ändern will und wird, liegt auf der Hand." Auch Citigroup-Analyst Andrew Light erwartet laut Reuters beträchtliche Einsparungen. Diese seien auch notwendig, um die AUA wieder in die Gewinnzone zu bringen.

Langfristig sei ein Abbau von einem Drittel bis zur Hälfte der Arbeitsplätze denkbar, sagte ein anderer Experte.

 

 

Was sind die Anteile wert?

 

Die deutsche Lufthansa wird ihr Angebot an die AUA-Kleinaktionäre nach Ansicht von Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbands der Anleger (IVA), noch etwas aufbessern müssen, wenn sie mehr als 75 Prozent an der Airline bekommen möchte.

Juristisch sei das avisierte Angebot in Höhe von 4,44 Euro je Aktie in Ordnung, allein durch den geplanten Schuldennachlass von 500 Mio. Euro durch österreichisches Staatsgeld erhöhe sich der Wert der AUA-Aktien aber auf sechs Euro pro Stück, meinte der IVA-Präsident am Donnerstag gegenüber der APA.

 

Investorengruppe nicht zufrieden
Der Unternehmer Hans Schmid hält gemeinsam mit anderen Investoren rund zehn Prozent der AUA-Aktien. Sie sind mit dem Verkaufsverfahren nicht zufrieden, Chancen auf andere Bieter und damit einen höheren Preis für die AUA seien vertan worden.

Auch traut Schmid den schlechten Unternehmenszahlen der AUA nicht und hält auch das Abfindungsangebot der Lufthansa von 4,44 Euro pro Aktie für die unterste Grenze. Nächste Woche will die Investorengruppe prüfen, ob sie das Angebot akzeptiert, ein besseres verlangt oder die Aktien behält und auf eine Kurssteigerung wartet.

 

Wird Sonderprüfung verlangt?
Ebenso will die Gruppe prüfen, ob sie eine außerordentliche Hauptversammlung und eine Sonderprüfung der AUA verlangen wird. Schmid räumte ein, dass er die Lufthansa für einen guten Partner halte, er wolle jetzt aber das Beste für sich aus dieser Situation machen, sprich einen besseren Preis für seine Aktien erzielen.

 

Lufthansa "kompetenter Kernaktionär"
Es sei "positiv", dass die AUA mit der Lufthansa als neuem Eigentümer nun "einen kompetenten Kernaktionär" bekomme, sagte Rasinger. Die Lufthansa werde beweisen müssen, wie gut sie die AUA wieder auf Kurs bringen könne.

 

Ein symbolischer Cent pro Aktie
Gelingt ihr das überaus gut, wird sie gemäß dem mit der ÖIAG vereinbarten Besserungsschein noch bis zu 162 Mio. Euro für die AUA hinblättern müssen. Bisher sind für den 41,6-prozentigen Staatsanteil nur 366.000 Euro vorgesehen, ein symbolischer Cent pro Aktie.

Ein Streubesitz-Angebot über 4,44 Euro je Aktie - für Rasinger lediglich "eine vernünftige Untergrenze" - würde die Lufthansa 215 Mio. Euro kosten.

 

Freitag tagt ÖIAG-Aufsichtsrat
Am Mittwoch hatte der Lufthansa-Aufsichtsrat grünes Licht für die AUA-Übernahme gegeben. Am Freitag soll auch der ÖIAG-Aufsichtsrat seinen Segen geben, danach soll am Nachmittag in einer Pressekonferenz mit Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber der Deal öffentlich verkündet werden.

Donnerstagmittag kurz vor 12.30 Uhr notierten die AUA-Aktien an der Wiener Börse bei 3,79 Euro, ein Plus von 2,43 Prozent gegenüber Mittwoch.

Da waren die Titel in der Schlussauktion nach Bekanntwerden der Höhe des Streubesitz-Angebots um 39,62 Prozent auf 3,70 Euro in die Höhe geschossen.

 (ORF)

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