Do
30
Okt
2008
BERLIN-TEMPELHOF - Das Ende einer Legende.
Ein Ära der Luftfahrt geht zu Ende: Am Abend hebt zum letzten Mal ein Flugzeug in Tempelhof ab. Ein Rückblick auf die 85-jährige Geschichte des legendären Flughafens.
Vielen gilt Tempelhof als die "Wiege der Luftfahrt".
Tatsächlich war das Gelände im Zentrum von Berlin, schon lange bevor es Flughafen wurde, Experimentierfeld in Sachen Flugtechnik. Das Tempelhofer Feld, zu Kaisers Zeiten noch Exerzierplatz, wurde bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts von Flugpionieren als Versuchsfläche genutzt. Am 4. September 1904 schrieb der Amerikaner Orville Wright hier Luftfahrtgeschichte: Erstmals in Deutschland hob ein Motorflugzeug für einige Minuten vom Boden ab.
Ehemals Heimatflughafen der Lufthansa
14 Jahre später wurde am 8. Oktober 1923 auf dem einstigen Tempelhofer Feld der "Flughafen Berlin" eröffnet. Dieser entwickelte sich zum größten Drehkreuz Europas und zum Heimatflughafen der 1926 gegründeten Deutschen Lufthansa AG. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde 1936 mit dem Bau eines neuen Flughafens monumentalen Ausmaßes begonnen. Auf dem fast 400 Hektar großen Areal schuf der Architekt Ernst Sagebiel ein 1200 Meter langes Gebäude, das den Größenwahn der Nazis illustriert und bis heute eines der größten der Welt ist.
"Rosinenbomber" versorgen Berlin über die Luft
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hielt die sowjetische Armee den Flughafen kurz besetzt, bevor ihn im Juli 1945 die US-Armee übernahm. Seinen weltweiten Ruhm verdankt Tempelhof jedoch dem Kalten Krieg: Als die Sowjetunion am 24. Mai 1948 eine totale Blockade über West-Berlin verhängte, richteten die USA eine Luftbrücke ein. Mit "Rosinenbombern" versorgten sie die Bevölkerung bis zum 12. Mai 1949 mit Lebensmitteln, Brennkohle und Medikamenten. Auf insgesamt 277.728 Flügen brachten sie mehr als zwei Millionen Tonnen Güter in die Stadt.
Ende von Tempelhof seit 1996 im Grunde besiegelt
Ab 1951 wurde Tempelhof wieder für die zivile Luftfahrt geöffnet. Doch 1975 wurde der in einem Wohngebiet gelegene Flughafen schon einmal für den öffentlichen Luftverkehr geschlossen - das Geschäft hatte sich zunehmend auf den damals florierenden Flughafen Tegel in West-Berlin verlagert. Zehn Jahre später wurde Tempelhof für den Geschäftsreiseverkehr und für Fluggesellschaften mit kleinerem Flugmaterial wieder geöffnet. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 zog der zivile Flugverkehr auf Tempelhof zunächst an - doch ab Mitte der 90er Jahre setzte die Abwanderung der Fluggesellschaften ein. Als die Länder Berlin und Brandenburg 1996 beschlossen, einen gemeinsamen Großflughafen in Schönefeld einzurichten und dafür Tegel und Tempelhof zu schließen, war das Ende des Flughafens Tempelhof im Grunde besiegelt.
(AFP, N24)
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