Mo
15
Sep
2008
AEROFLOT B-737 ABGESTÜRZT
In Perm am Ural hat sich am 14.9.2008 wieder ein tragisches Flugzeug-Unglück ereignet. Alle 88 Insassen der Boeing 737 kamen in Russland um. Unter den Toten soll sich auch ein Deutscher befinden sowie 20 weitere ausländische Bürger. Der Tod eines Schweizers indes wurde von den Schweizer Behörden dementiert. Es habe sich kein Passagier des Landes auf der Liste der Fluggäste der Aeroflot befunden. Der Absturz der aus Moskau kommenden Maschine ereignete sich kurz vor der Landung.
Nachdem die Maschine der Aeroflot in einer Höhe von 1800 Metern den Kontakt zum Tower verloren hatte, stürzte sie in ein Industriegebiet und zerschellte mit lautem Knall am Boden. Andere Augenzeugen wollen die Explosion bereits in der Luft gesehen haben. Schlechte Wetterverhältnisse sollen das Unglück begünstigt haben. Wie es zum Unglück kommen konnte, sollen die beiden Flugschreiber aufklären, eine genaue Ursache steht indes noch nicht fest.
Gestern wurde noch spekuliert, ob es sich um ein technisches Versagen oder einen Pilotenfehler gehandelt habe. Auch ein Terroranschlag wurde nicht ausgeschlossen. So sagte es jedenfalls der Chef der Aeroflot, Waleri Okulow, der Moskauer Nachrichtenagentur Itar-Tass. Bisher wurde diese Aussage nicht öffentlich dementiert.
In der Maschine befand sich u. a. der Armeegeneral und Präsidentenberader Gennadi Troschew, der im Nordkaukasus während des Tschetschenien-Krieges in den 90ern die russischen Truppen kommandierte und der Berater im Kreml war.
Terroranschlag in Russland?
Er ist dafür bekannt, bei schweren Verletzungen der Menschenwürde einfach weggeschaut zu haben. Auch einige Sportfunktionäre des Sambo-Sportverbandes seien mit an Bord der Boing 737 gewesen. Sambo ist ein russischer Kampfsport ohne Waffen, deren Anhänger der ehemalige Kremlchef Wladimir Putin ist. Außerdem war am 14.9. der 43. Geburtstag des Präsidenten Dmitri Medwedew. Zahlreiche Gründe also, einen Terroranschlag zu vermuten. Und nicht zuletzt erinnert das Geschehen an den 11. September, den denkwürdigsten Terroranschlag mit Hilfe eines Flugzeugs in den USA.
Heute wurde jedoch bekannt, dass ein Triebwerksausfall zum Absturz geführt habe, obgleich in den Reihen der Sachverständigen Zweifel bestehen, denn eine Maschine mit nur einem Triebwerk sei normalerweise sicher zu landen. Warum die Maschine explodierte, bleibt weiter im Dunkeln.
Trotzdem sagte der russische Verkehrsminister, Igor Lewitin, es gäbe nach Geheimdienst-Informationen keine Hinweise für einen Terroranschlag. Die Meldung, das Flugzeug sei in der Luft explodiert, werde nicht bestätigt – so die Nachrichtenagentur Interfax. Trotzdem werde man mit Hilfe einer Untersuchungskommission der Regierung weiter ermitteln.
Der große Umkreis von vier Kilometern, in dem die Trümmer verstreut waren, würde allerdings dafür sprechen, dass das Flugzeug nicht erst am Boden in Flammen aufgegangen sei. „Das sah aus wie ein Komet“ – so die Aussage einer Augenzeugin im russischen Fernsehen. „Meine Frau weckte mich mit einem Schrei! – Schau, was ist das? Haben wir Krieg?“ so schrieb ein anderer Anwohner in sein Internet-Tagebuch. Bilder von einem verkohlten Wrackstück mitten eines Gemüsegartens waren zu sehen. Warum die Maschine einen zweiten Landeanflug auf Perm starten musste, bleibt bisher ungewiss.
Keine Überlebenden beim Unglück
Es ist die schwerste Flugzeugkatastrophe seit 2 Jahren in Russland. In den Trümmern verloren neben 21 Ausländern, 60 Landsleute und 7 Kinder ihr Leben, so die traurige Bilanz. Das Flugzeug stürzte auf die Gleise der Transsibirischen Eisenbahn und die Trümmerteile beschädigten Gleise und Elektroleitungen auf etwa einem halben Kilometer Länge erheblich. Etwa 300 Helfer suchten Tausende kleine Trümmerteile ab, um einen Hinweis auf die Unglücksursache zu finden.
Eine Sondermaschine startete in Moskau. An Bord befanden sich 60 Bergungskräfte, Ermittler und Psychologen für die Betreuung der Angehörigen der Opfer direkt am Unglücksort. Die Zivilschutz-Sprecherin Irina Andranowa bestätigte, dass keiner den Absturz hätte überleben können. Präsident Medwedew bekundete gegenüber Hinterbliebenen sein Beileid. Er sicherte ihnen Unterstützung zu, hier war von hohen Geldbeträgen die Rede.
Eine Ermittlung der Generalstaatsanwaltschaft (Chefermittler Alexander Bastrykin) erfolgte wegen Verdachts auf einen Verstoß gegen die Sicherheit im Luftverkehr. Wartungsmängel schloss die Aeroflot-Führung aus. Obwohl das Flugzeug bereits 15 Jahre alt sei, wäre es in diesem Jahr erst gewartet worden. Neben der Unglücksmaschine hat die Aeroflot-Nord noch sieben weitere Boing 737 im Einsatz. Aeroflot wolle ab sofort keine gemeinsamen Flüge mit ihrem Tochterunternehmen (Aeroflot-Nord) durchführen.
Der Unglücks-Jet trug die Flugnummer 821. Er startete gegen 01:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit (Ortszeit: 3:10 Uhr) von Moskau aus vom Flughafen Scheremetjewo. Das Absturzgebiet war glücklicherweise unbewohnt; einige hundert Meter weiter standen Neubauten.
Die Bewohner hatten riesiges Glück. Am Boden waren keine Opfer zu beklagen.
Mit Aeroflot werden jährlich nach Konzernangaben weltweit etwa zehn Millionen Passagiere befördert. Damit ist Aeroflot nebst den verschiedenen Tochterfirmen die größte russische Fluggesellschaft. Bisher gab es 23 Flugzeugunglücke in 2007 in Russland, bei denen 41 Menschen starben. Erst am 24. August war eine fast 30 Jahre alte Boeing 737 über Zentralasien (Republik Kirgistan) abgestürzt; 65 Menschen fanden hier mindestens den Tod. Es sei bekannt, dass es Russland und die früheren Sowjetrepubliken mit der Luftverkehrssicherheit nicht so genau nehmen würden.
Nach Angaben der IATA (Internationale Luftverkehrsvereinigung) gehört die Sicherheit der Aeroflot zur schlechtesten in der Welt. Verantwortlich sind laut Expertenmeinung eine mangelhafte staatliche Aufsicht, eine schlechte Ausbildung der Piloten und nicht zuletzt drastische Sparmaßnahmen bei vielen Fluggesellschaften.
Der stellvertretende Direktor der Aeroflot dementiert. „Die Gesellschaft hat bezüglich der Sicherheit einen guten Ruf“, so Lew Koschljakow. Der Absturz wäre „ein schwerer Schlag“ für das Ansehen der Aeroflot.
(Quelle:http://www.fluggesellschaften-weltweit.de
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